2.2 Futterpraxis

im Kapitel 2.1 unter Rohnährstoffe finden Sie wichtige grundsätzliche Angaben. Es folgt die Zusammenfassung für den Praktiker:

Generell sind Wildkräuter - ob frisch oder getrocknet - mit Wurzeln und Blüten das Beste was Sie Ihrer Landschildkröte geben können. Besser als Salate und Gemüse. Geben Sie ihnen auch frisches Heu. Gute Futterpflanzen sind: Löwenzahn, Spitzwegerich, Storchenschnabel, Ackerwinde, Disteln komplett, Brennnesseln, Gras, Malven usw.

Meiden Sie: Obst und Gemüse, auch wenn die Landschildkröte alles, was rot ist, mit ganz besonderer Vorliebe frisst. Geben Sie nur sehr selten Tomaten, Gurken, Brombeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren auch wenn ihre Schildkröte dafür alles tun würde.

Brombeere 1Beeren in erreichbarer Höhe sind wie Schokolade.

Vermeiden Sie Fleisch. Kein Gemüse oder Obst, das Blähungen verursachen könnte.

Angepriesene Wiesenaussaten für Kleintiere enthalten Übermengen an Klee. Rationieren Sie Klee. Die beste Futterwiese kommt durch Samen sammeln und aussähen. Ein Löwenzahn- und Wildpflanzenprobleme kennen Schildkrötenbesitzer nicht.

Achten Sie darauf, dass Eibe (Gehege an Eibenhecken, Eibenbäume usw.) für die Landschildkröte eine giftige Pflanze ist. Auch einige Arten von Hahnenfußgewächsen sind giftig. Weiterhin giftige Pflanzen für Landschildkröten sind: Dieffenbachia, Efeu, Engelstrompeten, Kalmus, Oleander, Maiglöckchen, Herbstzeitlose, Zierpflanzen allgemein.

Landschildkröten sind keine Resteverwerter. Sie lieben aber frisches Futter. Das meiste finden Sie bereits am ungemähten Wegesrand. Sie können Futterpflanzen auch eingetütet oder in Boxen verpackt im Kühlschrank wie Salat ein bis zwei Tage lagern.

Bieten Sie Ihren Landschildkröten frisches Wasser, in dem sie auch baden und trinken können.
Sie benötigen Badeschalen an heißen Tagen zur Temperaturregulierung. Wenn dann zu wenig Schatten im Gehege ist, brechen sie aus.

 

 

Wir bieten unseren Schildkröten anstatt Knochen oder Sepiaschalen meistens kleingemahlene Hühnereierschalen an. Diese werden in der Küche gesammelt und anschließend in einer Kaffeemühle kleingemahlen. Wir sammeln das Kalkmehl in Gläsern und füllen damit flache Gefäße. Diese Beigabe wird von unseren Schildkröten von klein bis ganz groß gerne genommen. Wir vermuten, dass das Kalkmehl, auch einen Darmreinigungseffekt hat.

Geben Sie den geriebenen Kalk nicht über das Futter, sondern in einer gesonderten Schale. Die Schildkröte soll selbst wählen, wieviel und wann sie den Kalk zu sich nimmt.

Kotfressen scheint ein natürliches Bedürfnis zu sein und wird vor allem bei Jungtieren für das Gleichgewicht der Darmflora benötigt. Dabei werden Mikroorganismen nochmals aufgenommen, die im Dickdarmbereich benötigt werden.

Die griechische Landschildkröte frisst, wenn die Temperatur ausreicht, immer und soviel sie bekommt. Im Jahresgang heißt das in ihrer Heimat, dass es im Frühjahr, vor der Eiablage und nach dem Winterschlaf sehr viel zu fressen gibt. Im Sommer, ab Mitte Juni, lässt das Wachstum der Vegetation dort und auch bei uns nach und die Landschildkröte findet dann in freier Natur weniger. Die Nahrung verschiebt sich zu faserreicheren Pflanzen, wie Disteln oder Kornblumen, hin.

Wenn Sie die Landschildkröte das gesamte Jahr über gleichmäßig durchfüttern und ihr wenig Bewegung geben, dann wird die Landschildkröte dick. In Ihrer Heimat ist es im Hochsommer heiß und es gibt weniger zu fressen.

Sie können erwachsene Schildkröten, im Sommer auch mehrere Tage hungern lassen. Bieten Sie ihnen Heu, Kalk und immer ausreichend frisches Wasser an.

Zum Jahresende, ab Anfang Oktober, genügt oftmals nicht mehr die Wärme des Frühbeets. Wir geben dann Heu, das wir im Sommer gesammelt oder auch von Bauern gekauft haben, mit in unsere Frühbeete und bieten morgens und abends noch zusätzlich UV-Licht an. Jetzt versuchen wir unsere Schildkröten noch bis Anfang Dezember am Fressen zu halten. Ohne zusätzliches UV-Licht würden sie jetzt kaum noch fressen und stark an Gewicht verlieren, bevor sie dann bis Mitte Dezember fasten und dabei häufig in lauwarmem Wasser gebadet werden.

Mit den ganz jungen Schildkröten geschieht Ähnliches. Ab Mitte Dezember geben wir dann unsere adulten Schildkröten ca. 3,5 - 4 Monate, je nach Frühlingsbeginn in den Kühlschrank. Die kleinen Schildkröten kommen ebenfalls 3 Monate hinein. Dort ruhen Sie dann bis zum Frühlingserwachen im nächsten Jahr.

Wir praktizieren die Ernährung in dieser Form der Kalziumbeigabe, mit grob mehlig geriebenen Hühnereischalen, seit mehreren Jahren und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Mit Zusatzstoffen für Landschildkröten haben wir mit unserer Freilandhaltung eher schlechte, wenn auch nicht vollkommen negative Erfahrungen gemacht. Wir füttern seit mehreren Jahren außer Kräutern und im Sommer ab und zu einen Salat aus dem Garten, nichts mehr zu. Als Süßigkeit holen Sie sich die bei der Ernte in ihrem Gehege heruntergefallenen Johannisbeeren und manche zu tief gewachsene Brombeere.

Es ist normal, dass die Landschildkröten bis etwa Juli/August zunächst stark an Gewicht zunimmt und zum Winter hin wieder an Gewicht verliert. Das ist der Jahreszyklus. Bei sehr jungen Schildkröten durch das Wachstum jedoch nur wenig ausgeprägt.